125 Jahre Berliner Afrika-Konferenz
erinnern . aufarbeiten . wiedergutmachenKampagnenaufruf des Bündnisses
Erinnern, aufarbeiten, wiedergutmachen – unter diesem Motto hat sich ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis formiert, das an den 125. Jahrestag der Berliner Afrika- oder Kongo-Konferenz 1884/85 und die Aufteilung Afrikas unter den europäischen Kolonialmächten gedenkt. Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen, Vertreter/innen von SPD, Linken und Grünen, Gewerkschafter/ innen und Prominente fordern einen grundlegenden Wandel in Deutschlands Erinnerungspolitik. Dazu gehören vor allem eine kritische Aufarbeitung der Verbrechen des deutschen Kolonialismus und Rassismus sowie eine breite öffentliche Diskussion über angemessene Formen ihrer ideellen und materiellen Wiedergutmachung. Die Kampagne beginnt mit einer Demonstration am Sonntag, 15. November 2009 um 14:00 Uhr an der Gedenktafel zur Berliner Afrika-Konferenz in der Berliner Wilhelmstraße 92. In den folgenden gut drei Monaten – der Zeitraum der historischen Konferenz – werden bundesweit zahlreiche Veranstaltungen durch die Bündnis- und Unterstützergruppen organisiert. Zum Abschluss der Kampagne wird am 27. Februar 2010 ein Gedenkmarsch für die zahllosen Opfer von Sklaverei,Sklavenhandel und Kolonialismus stattfinden. „Rassismus und Diskriminierungen von Menschen afrikanischer Herkunft stehen im direkten Zusammenhang mit dem Kolonialismus. Auf der Konferenz wurden willkürliche Grenzziehungen in Afrika vorbereitet, die bis heute fatale Folgen haben“, so Sven Mekarides, Generalsekretär des Afrika-Rats Berlin-Brandenburg und Sprecher des Bündnisses. „Deutschland trägt die historische Hauptverantwortung für das Zustandekommen und die Beschlüsse der Berliner Afrika-Konferenz. Die Konferenz fand nicht zufällig in Berlin statt: Sie diente der Anerkennung deutscher Kolonialansprüche“, sagt Christian Kopp, Historiker vom Verein Berlin Postkolonial. „Auf der Konferenz wurde erstmals von den europäischen Staaten ein ‚Entwicklungsauftrag’ gegenüber Afrika formuliert. Eine kritische Reflexion dieser als Wohltat ausgegebenen Interessen- und Machtpolitik ist bis heute dringend nötig“, so Armin Massing vom Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlag.
Weitere Informationen
Pressekontakte:
Sven Mekarides (Afrika-Rat) Tel. 0162 4517504
Christian Kopp (Berlin Postkolonial) Tel. 030 23132154
Armin Massing (Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag) Tel. 030 42851587
E-Mail: presse@berliner-afrika-konferenz.de
Anlässlich des 125. Jahrestags der Berliner Afrika-Konferenz fordern wir einen grundlegenden Wandel im Umgang mit Deutschlands kolonialer Vergangenheit!
Wir fordern:
erinnern Mahnmale und die offizielle Begehung des Internationalen Tags zur Erinnerung an den Sklavenhandel und an seine Abschaffung am 23. August informative kritische Gedenktafeln im öffentlichen Raum Umbenennung von Straßennamen, die Kolonialisten ehren oder rassistische Begriffe enthalten, nach Persönlichkeiten des antikolonialen Widerstandskampfes
aufarbeiten kritische Beschäftigung mit Kolonialismus und Rassismus in Schulen, Universitäten sowie in anderen öffentlichen und kirchlichen Einrichtungen Förderung von antikolonialen und antirassistischen kulturellen und politischen Projekten kooperative Forschungsprojekte mit Bildungseinrichtungen ehemaliger deutscher Kolonien Bundesstiftung zum Gedenken und zur gemeinsamen kritischen Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit konkrete Schritte zur Beseitigung struktureller Ausschlüsse von Schwarzen Menschen und People of Color aus akademischen und politischen Institutionen sowie anderen gesellschaftlichen Bereichen Beseitigung rassistischer Gesetzgebungen und Ämterpraxis in Deutschland sowie entsprechende Änderungen der menschenrechtsverletzenden Migrationspolitik
wiedergutmachen Anerkennung des deutschen und europäischen Kolonialismus als Verbrechen gegen die Menschlichkeit Übernahme der historischen Verantwortung für dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit ideelle und materielle Entschädigung für die ehemaligen deutschen und europäischen Kolonien (Gelder der Entwicklungszusammenarbeit sind keine Reparationen!)
Berlin, den 8. September 2009
Weitere Informationen oder kampagne@berliner-afrika-konferenz.de
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