PM von Berlin Postkolonial vom 04.03.2020: Zivilgesellschaft bereitet sich auf Rückgaben von Kolonialraub in die Kilimanjaro-Region vor

*Tansanisch-deutsche Zivilgesellschaft organisiert postkoloniales Gedenken am Kilimanjaro und bereitet sich auf die Rückführung von kolonialem Raubgut und menschlichen Gebeinen vor*

Zum 120. Jahrestag der willkürlichen Hinrichtung von Mangi Meli und weiteren 18 Chiefs der Wachagga, Wameru und Waarusha durch die deutsche Kolonialmacht in Old Moshi/Tansania haben tansanische und deutsche NGO am Ort des Verbrechens eine gemeinsame Gedenkveranstaltung organisiert. Die Feierlichkeiten, die nach 2019 zum zweiten Mal stattfanden, wurden von mehr als 250 Angehörigen der Chagga-Community sowie einer Reihe von Regionalpolitiker*innen besucht. Von deutscher Seite waren der Einladung durch die Organisatoren keine offiziellen Vertreter*innen gefolgt. Finanziert wurde die Veranstaltung durch Crowdfunding in Deutschland und durch die Stiftung Between Bridges.

Mehrere Redner*innen erinnerten an Mangi Melis entschlossenen Widerstand gegen das deutsche Kolonialregime. Bewegt schilderten sie die traumatische Massenhinrichtung vom 2. März 1900, der die Region auf einen Schlag eines Großteils seiner politischen Elite beraubte. Nachfahren der Ermordeten forderten Deutschland zur entschlossenen Suche nach den Häuptern ihrer Vorfahren auf. Nach bereits im Januar 2020 gesendeten Anfragen an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die Universität Straßburg und das American Museum of Natural History in New York wurde erstmals öffentlich die Rückführung aller Gebeine der Wachagga, Wamassai und Wandorobo in deutschen Sammlungen gefordert. Die Vertreter*innen des Moshi District Councils sind entschlossen, die Ahnen in die Kilimanjaro Region zurückzuholen.

Vor dem Hintergrund der wachsenden Bereitschaft deutscher Museen, in der Kolonialzeit angeeignete Kulturobjekte zurückzugeben, schlugen die Vertreter*innen des District Councils die Einrichtung eines Community Museums und Kulturzentrums im derzeit leerstehenden Gebäude des Kilimanjaro District Council in Moshi vor. Der aus den 1950er Jahren stammende Bau hat als ehemaliger Sitz des Paramount Chiefs Mareale II selbst große historische Bedeutung. Das Projekt soll in Zusammenarbeit und mit Unterstützung aus Deutschland realisiert werden.

*Kontakt*: Berlin Postkolonial e.V., buero(at)berlin-postkolonial.de, +491799100976