Pressemitteilung des Bündnis Decolonize Berlin e.V. vom 4. Juli 2020

Decolonize

Berlins M*straße und den gleichnamigen U-Bahnhof nach Anton Wilhelm Amo benennen!


Bereits seit Anfang der 1990er Jahre kritisieren vornehmlich Schwarze und afrodeutsche Aktivist*innen sowie People of African Descent die Verwendung der mit der Versklavung von Afrikaner*innen verbundenen Fremdbezeichnung M. in einem Straßennamen und für einen U-Bahnhof im Bezirk Berlin-Mitte. Stattdessen fordert das Bündnis Decolonize Berlin e.V. seit mehreren Jahren, die M*straße und den gleichnamigen U-Bahnhof nach Anton Wilhelm Amo (geb. um 1703), dem ersten Gelehrten und Sklavereigegner afrikanischer Herkunft an einer preußischen Universität, zu benennen.

Am letzten Freitag gab die BVG nun überraschend bekannt, den Namen des U-Bahnhofs ändern zu wollen. Damit erkennt das Unternehmen an, dass das M-Wort Schwarze Menschen diskriminiert und macht darüber hinaus klar, dass Rassismus im öffentlichen Raum nicht zu akzeptieren ist. Zugleich schlägt die BVG aber – ohne Rücksprache mit der Politik, Anwohnenden und den von Rassismus betroffenen Kritiker*innen des Straßennamens – einen alternativen Namen vor. Ihrer Meinung nach sollte der U-Bahnhof nach der naheliegenden Glinkastraße benannt werden. Damit würde die BVG den kolonialhistorischen Bezug des Ortes auslöschen und ihre Chance für die Ehrung einer Persönlichkeit afrikanischer Herkunft im Berliner Stadtbild bewußt ausschlagen.

Das Bündnis Decolonize Berlin e.V. fordert das sich antirassistisch gebende Unternehmen, die Politik, die solidarische Zivilgesellschaft und die Anwohnenden auf, nun entschlossen und zeitnah tätig zu werden, um die Umbenennung der M*straße und des gleichnamigen U-Bahnhofs zu Ehren Anton Wilhelm Amos zu ermöglichen. In der BVV Berlin-Mitte muss endlich ein Antrag an das Bezirksamt auf Umbenennung der M*straße in Anton-Wilhelm-Amo-Straße eingebracht werden.

Tahir Della, Vorstandsmitglied von Decolonize Berlin e.V.: „Gemeinsam mit dem Bezirk und den von Rassismus Betroffenen sollte sich der Senat bei der BVG für eine gleichzeitige Umbenennung der Straße und des U-Bahnhofs in Würdigung Amos einsetzen. Beide müssen Bestandteil des vom Bezirk seit langem geplanten Lern- und Erinnerungsortes zum brandenburgisch-preußischen Versklavungshandel und zur mehr als 300 jährigen Geschichte Schwarzer Menschen in Berlin und Deutschland werden."