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Medientipp Esepata

Stephanie Fuchs: Esepata – Mein Platz ist bei den Massai. Die wahre Liebes-Geschichte einer deutschen Biologin in Afrika, Knaur-Verlag, München 2023, ISBN 978-3-426-28618-0, 320 Seiten, 20,00€

„Esepata“ (korrekte Schreibweise wäre Esipata: Wahrheit) ist das vierte Buch einer weißen Frau über die Ehe mit einem Massai. Die Autorin des aktuellen Titels ist seit zwölf Jahren verheirate und lebt in einer abgelegenen Boma (Siedlungsgemeinschaft einer Familie) in Isoit, in der südlichen Massai-Steppe Tansanias. Das erinnert natürlich zunächst an Corinne Hofmann und ihren Bestseller „Die „Weiße Massai“. Aber Stephanie Fuchs übertrifft die Vorgängerinnen mit ihrer einfühlsamen Anerkennung der eigenständigen Massai-Kultur. Das zeigt sich z.B. an ihrer vorsichtigen Stellungnahme zur Frauenbeschneidung. Nach staatlichem Verbot in den Untergrund gedrängt, wird das grausame Ritual weiterhin heimlich an kleinen Mädchen verübt. 


Stephanies Selbsterhaltungstrieb ist trotz gewaltiger wirtschaftlicher Herausforderungen ebenso bewundernswert wie ihr Talent, finanzielle Mittel aufzutreiben und Auswege aus der klimabedingten Notlage zu finden. Auch sie verliebte sich Knall auf Fall in einen Morani (Altersgruppe der Krieger), und zwar während eines Praktikums auf der Insel Mafia. Dort verdiente Sokoine als Wachmann Geld für seine Familie, die wegen mehrjähriger Dürre mit reduziertem Viehbestand am Existenzminimum lebte. Ein erster dreiwöchiger Besuch in Isoit bestärkte die Deutsche in ihrem Entschluss: Da will ich bleiben, trotz Biologie- und Umweltschutzstudium in Bath (England) und möglicher wissenschaftlicher Karriere.


Sehr ehrlich und schonungslos schildert sie die immensen Schwierigkeiten, die sie zu bewältigen hat: Schwerer Busunfall, Krankheiten, Einsamkeit, postnatale Depression, Ehekrise. Hilfreich ist der enge Kontakt zur Schwiegermutter, die ihren regelmäßigen Kirchgang zeitweise aufgibt, um in Stephanies Nähe zu sein. Bei ihrer großen Sensibilität verwundert es umso mehr, dass sie die auffallend enge und alltägliche Beziehung der Massai zu Enkai, der allumfassenden Gotteskraft, mit keinem Wort erwähnt. Das mag am Taktgefühl und dem Respekt der jungen Frau vor der Verschwiegenheit ihrer tansanischen Familie liegen, die grundsätzlich nicht über Gefühle spricht.  


Der fehlende Hinweis auf Enkai fällt uns natürlich besonders auf, weil wir selbst viele Jahre in derselben Gegend als Pfarrer*in unter den Massai wohnten und arbeiteten. Besonders das persönliche Gottesverhältnis der Frauen (schon vor der Präsenz der christlichen Botschaft!) hat uns immer beeindruckt. (Übrigens gab es die Beschneidungsdebatte schon vor fast 100 Jahren bei den Kikuyu in Kenia, wie zum Beispiel James Ngugi, später Ngugi wa Thiongo, eindrucksvoll in seinem Buch „The River Between“ schildert.)          

Rezension von Dr. Christel und Arnold Kiel. Die beiden Theolog*innen lebten 14 Jahre in Tansania. Von 1986 bis 1999 teilten sie sich eine Stelle in der Massai-Mission und am theologischen College bei Moshi. Diese Rezension erschien zuerst im HABARI-Magazin 02/2023 "Tourismus".