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Evelyne Waithira Müller

Evelyne Waithira Müller (2024): Frau Müller, die Migrantin, Bonifatius Verlag, 176 Seiten, 18,00€, ISBN 978-3987900617

Rezension von Henriette Seydel (in HABARI 04/2025)

Dieses Buch erzählt, wie die in Kenia geborene Psychologin Evelyne Waithira Müller und Deutschland sich aneinander gewöhnt haben. Witzige Anekdoten des Kulturschocks wechseln sich ab mit ernsten Analysen von migrantischer Trauer, Heimweh, Einsamkeit oder Rassismen. Praktische Ratschläge für Migrant*innen und Beispiele interkultureller Konflikte und Sprachbarrieren machen das Buch besonders greifbar. 

Beispielsweise fühlt sich für die Ostafrikanerin das „Nein“ ihres deutschen Ehemannes gegenüber ihren Verwandten anfangs unhöflich und kaltherzig an. Es war ihr schrecklich peinlich. Ihr Mann hingegen wollte vielleicht einfach nur sagen, dass er keinen Hunger mehr hat. Die Autorin resümiert: „In Deutschland ist es okay, nein zu sagen, und zwar direkt. Das ist erlaubt. Man stelle sich das mal vor! In Kenia würde man nie zu jemandem direkt “Nein” sagen. Man könne ihn genauso gut ohrfeigen! … Es vergingen viele Jahre, bis ich ein deutsches „Nein“ sagen konnte, ohne mich schuldig zu fühlen.“ (S. 22)

Für mich als weiße Deutsche war die Lektüre augenöffnend. Was ich als normal hinnehme. Mit welchen Schwierigkeiten und Emotionen Migrant*innen konfrontiert sind, von denen ich (noch) nicht weiß. Welche Eigenarten unsere Kultur so hat. Nicht anklagend, sondern aufklärend, warmherzig und oft mit einem Augenzwinkern schreibt die Psychologin, die das Bild einer Kokosnuss verwendet, um Deutsche zu beschreiben. Denn viele hätten eine harte Schale, wirkten unfreundlich und emotional distanziert, aber wenn man es mal schaffe, sie zu durchbrechen, könne man an das köstliche Fruchtfleisch gelangen und loyale, herzensgute Menschen treffen. 

Migrantische Rezensionen berichten, das Buch habe Trost gespendet: Endlich das Gefühl, nicht überempfindlich zu sein, sondern verstanden und gesehen zu werden. Eine klare Leseempfehlung also für alle: „Frau Müller, die Migrantin“ zeigt, wie das Zusammenleben gelingen kann – durch gegenseitiges Verständnis, Offenheit und die Bereitschaft, voneinander zu lernen. Eine kraftvolle Erzählung, die ein hoffnungsvolles Bild von Integration und Vielfalt zeichnet.